Die Mehrheit der Frauen sind sich einig: In unserer modernen Gesellschaft ist es extrem schwierig als Frau gute Männer zu finden

Draussen machte der Regen glänzende Spuren über die Fensterscheiben. In Noras kleiner Wohnung roch es nach Kartoffelauflauf, und auf dem Esstisch stand eine Kanne Tee zwischen drei nicht ganz zueinander passenden Tassen. Vor wenigen Wochen war sie eingezogen. Die neue Wohnung hatte sie schneller gefunden als eine Antwort auf die Frage, wo sich gute Männer finden liessen. Nun sassen Alma und Miriam zum ersten Mal unter der runden Holzlampe, die Nora nach drei Abenden des Vergleichens bestellt hatte.

„Es ist schön geworden“, sagte Alma. „Warm, gemühtlich und so ruhig.“

Nora lächelte. Genau das hatte sie gewollt: einen Ort, an dem sie ankommen konnte, auch wenn ihr restliches Leben wenig danach aussah.

Miriam schöpfte sich Salat nach und blickte zum Fenster. „Und? Kann man in dieser Gegend auch gute Männer finden?“

„Falls ja, wohnen sie nicht in meinem Suchradius.“ Nora verbarg das Gesicht kurz hinter den Händen. „Ich bin so müde. Einer ist schlimmer als der andere.“

„Dann lösch doch deine Dating Apps.“

„Und wo soll ich sonst einen Mann kennenlernen? Zwischen Waschmittel und Tiefkühlpizza im Supermarkt?“

Sie griff nach ihrem Handy. Ein paar Augenblicke später standen die Teller am Rand des Tisches, während drei Männerprofile durch die Runde gereicht wurden.

Drei Männer, die vermutlich nicht infrage kommen

Der erste Mann beriet Unternehmen, las viel und reiste zwischen London, München und Zürich. Nora mochte seine klare Art zu denken. Ihre Telefonate dauerten manchmal Stunden, meistens während seiner Autofahrten. Für ein Treffen war in seinem Kalender bisher kein Platz entstanden.

„Er findet mich spannend“, sagte sie. „Aber zwischen zwei Flughäfen passt vermutlich keine Beziehung.“

Beim zweiten war die Anziehung schon auf den Fotos spürbar. Er sah gut aus, schrieb charmant und meldete sich fast nur spätabends. Nora war überzeugt, dass Affären eines seiner Hobbys waren.

„Der sucht doch bestimmt ständig nach der nächsten Trophäe.“

Kandidat Nummer drei reiste gern allein und war seit zwei Jahren Single.

„Mit dem muss auch etwas nicht stimmen.“

Alma betrachtete sein Foto. „Was denn?“

„Weiss ich noch nicht.“ Nora öffnete den Chat. „Letzten Monat war er eine Woche mit dem Sohn seiner Ex unterwegs. Es ist nicht einmal sein Kind.“

„Er kann den Jungen liebgewonnen haben.“

„Oder er hängt noch an dessen Mutter. Angeblich ist die Trennung abgeschlossen. Trotzdem macht er mit ihrem Sohn Ferien.“

Miriam legte ihre Gabel ab. „Das wäre mir auch zu verworren.“

Nora nahm das Handy zurück. Der eine hatte keine Zeit, der nächste vermutlich zu viele Frauen und der dritte eine Vergangenheit, die verdächtig lebendig wirkte. „Sag mir, wie man so gute Männer finden soll.“

Der Mann, der bereits einer anderen gehört

Für einen Moment hörte man nur den Regen und das leise Klirren von Almas Löffel an der Tasse. Dann leuchtete Noras Display erneut auf.

„Allerdings gibt es jemanden bei uns in der Firma.“

Miriam beugte sich vor. Alma sah, wie sich Noras Gesicht veränderte. Die Müdigkeit war verschwunden.

Der neue Mitarbeiter war klug, humorvoll und ruhig selbstbewusst. Einmal pro Woche arbeitete er mit Nora, die restliche Zeit in der neuen Filiale in München. Dort lebte er mit seiner Frau und den beiden Kindern.

„Ich weiss, dass es nicht richtig ist“, sagte Nora. „Gestern haben wir trotzdem vier Stunden geschrieben. Ich habe mich endlich wieder als Frau lebendig gefühlt.“

„Was sagt er über seine Ehe?“

„Sie hätten sich auseinandergelebt. Er bleibt wegen der Kinder. Ich scheine in ihm etwas auszulösen, was er noch nie erlebt hat.“

Miriam atmete hörbar aus. „Das sagen sie alle.“

„Ich weiss. Deshalb mache ich ja nichts.“

Noras Stimme wurde leiser, doch das Leuchten blieb. Morgen würden sie einander wiedersehen, und schon der Gedanke daran machte sie nervös. Bei den freien Männern hatte jedes Detail eine Warnung ausgelöst. Neben dem verheirateten Mann fühlte sie sich plötzlich leicht. Immer wieder kam ihr der Gedanke, dass er vielleicht ihr Soulmate sei. Davon sprechen ja so viele und Liebe ist ja nicht immer unkompliziert. Aber das würde sie ihren Freunden jetzt nicht sagen.

Sie hob ihre Tasse und sagte lachend: „Männer sind entweder beschissen oder vergeben.“

Miriam stiess mit ihr an. Alma lächelte nicht.

Der vollkommene Mann hat keine Angelrute

Nora beneidete Miriam um Familie, Zuhause und einen Mann, der am nächsten Morgen noch da war. Miriam betrachtete Noras Wohnung und dachte an Freiheit. Ihre Freundin konnte verreisen oder einen Sonntag im Bett verbringen. Kein Kind rief aus dem Badezimmer, kein Mann nervte sie mit seinem Egoismus und Gleichgültigkeit.

„Du hast wenigstens noch eine Auswahl“, sagte sie.

„Zwischen einem Vielreisenden, einem Sammler, einer halben Ersatzfamilie und einem Verheirateten?“

„Immerhin passiert bei dir noch etwas.“

Der Satz blieb zwischen ihnen stehen.

Miriam erzählte von der Pfanne, die ihr Mann nach dem Aufräumen im Backofen stehen liess, und vom Einkauf, bei dem immer das Wichtigste fehlte. Während er fischte, arbeitete sie Teilzeit, betreute die Kinder und hielt den Rest der Familie zusammen.

Manchmal blieb von ihrer Wut nur Leere. Dann schloss Miriam sich im Badezimmer ein, damit die Kinder ihre Tränen nicht sahen. Auf ihre Mutter sollten sie sich verlassen können, selbst wenn deren Kraft kaum noch reichte.

Brachte ihr Mann die Kinder zu den Grosseltern, nahm Miriam ein Bad. Selfcare war wichtig. Mit Kerze und Öl glitt sie in ein anderes Leben. Dort gab es einen Mann, der sie verstand, jedes Problem löste und bestätigte, dass sie alles richtig machte. Für sie und die Kinder hatte er immer Zeit. Leidenschaft entstand mühelos, weil weder Müdigkeit noch Wäsche oder verschiedene Bedürfnisse zwischen ihnen lagen.

Alma dachte an Miriams wirklichen Mann. In seinem Unternehmen galt er als geschätzter Mitarbeiter, auf den andere bauten. Zu Hause konnte er nach Miriams Erzählung kaum eine Einkaufsliste bewältigen. Wie passte beides zusammen?

„Woran würdet ihr einen guten Mann erkennen?“, fragte sie.

Nora antwortete sofort. „Er ist ehrlich, loyal, verlässlich, intelligent und weiss, was er will.“

„Und die Anziehung muss stimmen“, ergänzte Miriam.

Alma sah Nora an. „Warum fühlt sich dann ausgerechnet der verheiratete Mann so gut an?“

Eine Frau liest am Abend die Nachricht eines unerreichbaren Mannes und fühlt sich plötzlich lebendiger.

Warum sich der Unerreichbare lebendiger anfühlt

Noras Einwände gegen die drei freien Männer sind nicht erfunden. Ein Leben voller Geschäftsreisen kann zu wenig Raum für eine Beziehung lassen. Wer sich nur spätabends meldet, hält sich womöglich mehrere Möglichkeiten offen. Auch die Nähe zum Sohn einer früheren Partnerin kann auf eine ungeklärte Trennung hinweisen.

Doch Nora prüft die verfügbaren Männer nach ihren Risiken. Den verheirateten Mann erlebt sie vor allem über das Gefühl, das er in ihr auslöst.

Bei ihm wären die Hindernisse nicht erst zu vermuten. Seine Frau, zwei Kinder und die räumliche Entfernung sind bereits Wirklichkeit. Trotzdem tritt Noras Wachsamkeit zurück, sobald sie miteinander schreiben. Sie fühlt sich gesehen, angeregt und wieder als Frau lebendig.

Gerade seine Unerreichbarkeit schützt diese Lebendigkeit vor einer alltäglichen Prüfung. Nähe entsteht in Worten, Blicken und Möglichkeiten. Weder eine gemeinsame Entscheidung noch ein gemeinsamer Morgen verlangen bislang etwas von ihnen.

Miriams Fantasie folgt einer ähnlichen Ordnung. Ihren Ehemann erlebt sie in seiner ganzen Unvollkommenheit: mit Angelrute, vergessenen Einkäufen und geringer Eigeninitiative. Der Mann in der Badewanne wird nur daran gemessen, wie sie sich mit ihm fühlt. Er kann aufmerksam, leidenschaftlich und souverän bleiben, weil er keine Wirklichkeit besitzt.

Der unerreichbare Mann wird nach dem Gefühl beurteilt, der erreichbare nach seinen Fehlern. Gegen diesen Vergleich kann die Realität kaum gewinnen.

Gute Männer finden und früh wieder aussortieren

Wer gute Männer finden möchte, braucht eine klare Wahrnehmung. Erfahrungen können den Blick schärfen, Widersprüche sichtbar machen und verhindern, dass eine Frau ihre Lebenszeit an einen ungeeigneten Mann bindet. Dieselbe Wachsamkeit kann jedoch so früh einsetzen, dass kein realer Mensch Gelegenheit bekommt, sich zu zeigen.

Aus einzelnen Informationen entsteht dann eine abgeschlossene Geschichte. Zwei Jahre ohne Beziehung bedeuten Beziehungsunfähigkeit. Zuneigung zum Kind der Ex beweist eine heimliche Bindung an dessen Mutter. Beruflicher Erfolg und häufige Reisen lassen keinen Platz für Liebe. Jede Deutung könnte stimmen. Keine davon ist bereits bewiesen.

Verlässlichkeit löst zudem nicht bei jeder Frau sofort Anziehung aus. Hat ihr Körper Nähe lange mit Hoffen, Warten oder Unsicherheit erlebt, kann Ruhe zunächst leer wirken. Ein schwer erreichbarer Mann erzeugt dagegen Spannung. Jede Nachricht bringt Erleichterung, jedes Schweigen neue Fragen und jede Annäherung das Gefühl, endlich gemeint zu sein.

So können Frauen gute Männer finden und sie trotzdem als langweilig, belastet oder zu wenig faszinierend erleben. Der Beständige verursacht keinen inneren Sturm. Seine Zuwendung muss nicht gewonnen werden und bleibt deshalb möglicherweise emotional leiser.

Das bedeutet nicht, dass jeder ruhige Mann geeignet und jeder aufregende Mann gefährlich ist. Anziehung bleibt wichtig. Sie verrät jedoch nicht allein, welche Beziehung mit einem Menschen möglich wird.

Eine Frau sieht im Fernsehen einen aufmerksamen Mann, während ihr Partner neben ihr Angelzubehör auf dem Handy betrachtet.

Der echte Mann und der Mann, der alles richtig macht

Ein wirklicher Mann bringt eine Geschichte mit. Er besitzt Verpflichtungen, Grenzen, Gewohnheiten und Bedürfnisse, die nicht immer zu denen einer Frau passen. Manche Männer sind liebevoll und dennoch ungeeignet. Andere wirken kompliziert, weil sie Verantwortung für Menschen übernommen haben, die ihnen wichtig sind.

Der ausgedachte Mann muss keine Widersprüche aushalten. Er ist erfolgreich und hat trotzdem jederzeit Zeit. Seine Stärke trägt, ohne den Plänen seiner Partnerin zu widersprechen. Leidenschaft bleibt mühelos, weil sein Körper niemals erschöpft und seine Aufmerksamkeit nie woanders ist. Er weiss immer, was sie braucht, bevor sie es selbst aussprechen muss.

Solch ein Mann schenkt nicht nur Liebe. Er erlöst die Frau vom Müssen, von der Unsicherheit und von der Verantwortung für die eigene innere Welt. Genau deshalb kann er jeden realen Partner übertreffen.

Dass Miriams Ehemann beruflich als verlässlich gilt, macht ihn noch nicht zu einem guten Partner. Seine Angelwochenenden können tatsächlich auf ihre Kosten gehen. Möglicherweise übernimmt er zu wenig Verantwortung und hat sich daran gewöhnt, dass Miriam alles kontrolliert. Vielleicht braucht er auch manchmal einfach Abstand um bei der Familie bleiben zu können.

Zugleich entsteht Beziehung zwischen zwei Menschen. Wer jede Entscheidung korrigiert und den anderen innerlich für unfähig hält, lässt wenig Raum für Eigenbewegung. Zieht der Partner sich zurück, wächst die Überzeugung, ohne Kontrolle funktioniere gar nichts. Beide Reaktionen bestätigen einander, bis weder sie noch er noch erkennen kann, wo diese Ordnung begonnen hat.

Gute Männer finden bedeutet daher auch, einen Mann nicht nur nach seinem ersten Eindruck zu beurteilen. Entscheidend ist die Wirklichkeit, die zwischen beiden entsteht, sobald jeder mit seinen Stärken, Grenzen und Entscheidungen sichtbar wird.

Gute Männer finden, ohne weniger zu verlangen

Der Wunsch nach einem Mann, bei dem eine Frau sich sicher, gesehen und getragen fühlt, ist nicht zu gross. Sie muss ihre Ansprüche nicht senken oder in einer Beziehung bleiben, die sie innerlich einsam macht.

Sehnsucht kann jedoch Eigenschaften miteinander verbinden, die sich im wirklichen Leben gegenseitig begrenzen. Der Mann soll erfolgreich, verantwortungsbewusst sein und jederzeit verfügbar bleiben. Seine Stärke soll Halt geben, aber niemals Widerstand erzeugen. Eine Vergangenheit darf ihn geprägt haben, im gemeinsamen Leben jedoch keine Folgen hinterlassen.

Wer gute Männer finden will, muss deshalb keine Komplexität schönreden. Ein verheirateter Mann wird durch starke Gefühle nicht frei. Auch ein geschiedener Vater ist aufgrund seiner Fürsorge noch nicht automatisch ein geeigneter Partner. Ebenso wenig beweisen zwei Jahre allein, dass jemand keine Beziehung führen kann.

Bewusste Partnerwahl entsteht dort, wo weder Angst noch Sehnsucht das Ergebnis vorwegnehmen. Die Frau sieht, was tatsächlich geschieht. Sie nimmt ihre Anziehung ernst, ohne sie mit Wahrheit zu verwechseln. Auch der Mann bekommt Zeit, durch sein Verhalten zu zeigen, welchen Platz eine Beziehung in seinem Leben wirklich erhalten kann.

Gute Männer finden wird dann zu mehr als der Suche nach einem seltenen Exemplar. Es wird zur Fähigkeit, einen wirklichen Menschen zu erkennen, ohne ihn vorschnell zu verurteilen oder in der eigenen Vorstellung vollkommen und perfekt in einem schmerzvollen Drama zu machen.

Diese Fähigkeit verändert nicht nur, wen eine Frau auswählt. Sie verändert auch, welche Form von Beziehung zwischen zwei Menschen überhaupt entstehen kann.

Wenn Sehnsucht nicht mehr über die Wirklichkeit entscheidet

Am Tisch vibrierte Noras Handy. Der Mann mit dem Sohn seiner Ex hatte geschrieben.

„Ich habe unser Gespräch gestern sehr genossen. Hast du am Sonntag Lust auf einen Spaziergang?“

Fast gleichzeitig erschien eine Nachricht des verheirateten Kollegen.

„Ich musste heute den ganzen Tag an dich denken.“

Miriam las beide Vorschauen. „Na wunderbar.“

Nora lachte, öffnete aber keine der Nachrichten.

„Was mache ich jetzt?“

Alma lehnte sich zurück. „Du musst heute keinen Mann auswählen. Schau zuerst, welche Art von Leben hinter den beiden Nachrichten steht.“

Der Satz traf auch Miriam. Vor ihrem inneren Auge erschien der Mann aus der Badewanne, gefolgt von ihrem Ehemann, der an diesem Abend die Kinder ins Bett gebracht hatte, damit sie zu Nora gehen konnte.

Draussen rauschte der Regen. Drinnen standen leere Teller, halb volle Tassen und drei Leben, die von aussen leichter wirkten als von innen.

Gute Männer finden beginnt mit einer anderen Frage

Nora legte das Handy mit dem Display nach unten auf den Tisch. Ihre Entscheidung musste nicht in diesem Moment fallen. Zum ersten Mal an diesem Abend betrachtete sie nicht nur, welche Nachricht mehr in ihr auslöste. Für einen Augenblick sah sie auch die Wirklichkeit, aus der beide Männer ihr geschrieben hatten.

Wer gute Männer finden möchte, sucht daher nicht nur nach bestimmten Eigenschaften. Irgendwann wird ebenso wichtig, welchen Mann die eigene Sehnsucht vergrössert, welchen die Angst vorschnell verkleinert und wer übrig bleibt, wenn beide Bewegungen leiser werden.

Nora griff nach ihrer inzwischen kalten Teetasse. Niemand sagte ihr, welcher Mann der richtige war.

Die Frage war noch offen – aber sie war nicht mehr dieselbe.

Die meisten suchen nach dem Mann – die Mutigen nach sich selbst

SoulAlign zeigt dir den Weg, wie beides zusammenkommt.